PSYCHODRAMA

Mit dem Begriff Psychodrama ist eine Gruppentherapie gemeint, die Dr. Jacob Levi Moreno im Laufe seines Lebens entwickelt hat. Dabei werden auf einer imaginierten Bühne Sequenzen aus dem Leben, den Erwartungen oder den Träumen der anwesenden Teilnehmer aus dem Stegreif zur Aufführung gebracht. Obwohl Psychodrama schon vor dem 2.Weltkrieg in die wissenschaftliche Psychotherapie eingeführt wurde, ist es in seiner Gesamtheit von theoretischer Begründung und Praxis vergleichsweise unbekannt geblieben. Viele seiner Methoden oder Gedanken wurden aber aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst und haben Eingang in die Soziologie, Gruppentherapie oder Pädagogik von heute gefunden. Insbesondere für die Entwicklung der Konzepte, die zur Humanistischen Psychologie gerechnet werden, haben das Denken und Wirken von J.L. Moreno und seinen SchülerInnen erheblich beigetragen. Der Begriff des `Hier und Jetzt´, das Rollenspiel und die Förderung kreativer Ressourcen sind als Beispiele dafür zu nennen. Moreno selbst wollte das Psychodrama nicht allein auf den psychotherapeutischen oder pädagogischen Kreis beschränkt sehen. Positive Wirkungen seiner Methode seien in allen Bereichen menschlichen Lebens möglich, sofern sie fachgerecht angewendet wird. Ursprünglich zielte er selbst auf einer Veränderung in der Kunst, i.e. des Theaters, ab, bevor er zu einer breiteren Verwendung im Rahmen der Behandlung von neurotischen oder psychotischen Patienten gelangte.

In der Tradition des morenianischen Denkens sind Kreativität und Ausstrahlung nicht an formale Rollenzuschreibungen gebunden, sondern eine zugeschriebene Rolle oder die eigene Autorität müssen in jedem Augenblick durch psychische Kräfte gefüllt werden.
Morenos Ziel war es, den Menschen aus engen Fixierungen zu lösen und seine inneren Wachstumskräfte zu fördern. Allerdings ist die Bezogenheit des Individuums auf seine menschliche Umgebung, seien es Familie, Freunde, Kollegen oder zufällig Anwesende nie von Moreno vergessen worden. Ganz im Gegenteil; Moreno war der Auffassung, dass der Mensch psychisch ohne eine Kultur oder menschliche Beziehungen nicht überlebensfähig ist. Deshalb konzentrierte er sich in seinen Forschungen auf natürliche Gruppen und in der Praxis des Psychodramas auf die Heilung seelischen Leidens in Beziehungen. Er entwickelte ein Konzept einer gesunden Beziehung und wie konstruktive Kräfte in Beziehungen wirken und wie sie der Gruppenleiter entdecken und fördern kann. Im Laufe der Zeit ist so eine sehr komplexe, lebendige und vielseitig zu verwendende Methode entstanden. Sie firmiert unter dem Namen Psychodrama umfasst aber darüber hinaus Aspekte einer Gruppentherapie, ein philosophisches Menschenbild und soziologische Methoden.

Die Begründer der Bühne haben es sich zur Aufgabe gemacht, Psychodrama bekannt zu machen und interessierten Menschen die Möglichkeit zu geben, mit den Methoden des Psychodramas eigene schöpferische Fähigkeiten zu entwickeln. Kernstück dabei ist die Verwendung der von Moreno oder seinen Nachfolgern entwickelten Aktionsstrategien oder Rollenspielmethoden. An aktuellen Themenschwerpunkten lässt sich die Vielgestaltigkeit dieser traditionsreichen Interventionsform neu erfahren. Darüber hinaus wird in speziellen Seminaren konkretes Wissen über das Psychodrama vermittelt.